Eine unvergessliche Nacht

Das Stück rührte mich zu Tränen.

Nun saß ich da, neben diesem Mann, der mir so vertraut ist, den ich so gerne neben mir habe und auf mir und unter mir und in mir… und versuchte so leise wie möglich zu schluchzen. Denn heute sollte nicht mein Drama-Queen Day sein. Aber die Tränen wollten einfach raus.

Welch anrührende Aufführung eines so bewegenden Stückes geistlicher Musik.
Und wie verrucht bin ich, ausgerechnet zu einer solchen Aufführung zwar ein festlich gediegenes Kleid, dafür aber keine Wäsche zu tragen. Der kleine glitzernde Stein, auf dem ich dann in der Loge des Opernhauses sitze, macht diesen Fauxpas wohl kaum wett. Denke ich, ein paar Stunden zuvor, als ich mich akribisch auf dieses wundervolle Rendezvous vorbereite…

Da lächle ich noch verschmitzt, obwohl ich schon ahne, dass an diesem Abend Tränen fließen werden. Aber es sind schöne Tränen. Tränen, die eine besonders tiefe Verbundenheit aufbauen, zwischen meinem Mister X und mir. Denn er fühlt es auch, das sehe ich in seinen Augen, als er mir den Arm um die Schultern legt. Was für ein Augenblick. Zartheit, Aufgewühltheit, Emotionalität, schutzlos und dennoch in Sicherheit, denn ich weiß ihn neben mir. Körperlich, emotional und geistig. Welches Geschenk!

Und da beschließe ich, es werden sehr bald noch mehr Tränen fließen. Die besten, die ich mir vorstellen kann.
Da ich nicht darauf stehe, unbeteiligte Menschen mit meiner Wollust zu brüskieren, halte ich mich später, im Taxi, noch zurück. Auch wenn alles in mir brennt. Was würde ich jetzt dafür geben, kurz in die Rolle der O schlüpfen zu dürfen, und meinem Mister X meine aufrichtige Dankbarkeit für sein Mitgefühl und seinen Schutz zu beweisen. In demütiger Nacktheit. Das bleibt mir leider verwehrt.

Dafür muß er dann vor dem Hotel dran glauben. Denn ich habe nicht vor, ihn einfach so auf’s Zimmer gehen zu lassen. Nein. Ich ziehe ihn weg vom Haupteingang. Hin zu einem dunklen Nebeneingang. Dunkel, nicht ganz so prunkvoll wie der Repräsentierbereich des Hauses. Dafür still. Verlassen.

Endlich. Zeit, eine meiner liebsten Phantasien auszuleben. Hose auf. Schnell. Innige, tiefe, leidenschaftliche Küsse, bis ich niederknie. Ja. Niederknie auf dem Steinboden. Das fühlt sich leicht schmerzhaft, kalt und hart an. Was ich aber gleich nicht mehr merke, da bin ich mir sicher.
Nein. Ich werde die Details hier nicht beim Namen nennen. Nur so viel:

Die Tränen liefen, und ich liebte es. Und, wie es sich für einen dominanten Herrn geziemt, einen Gentleman, der auch mal die Zügel fest in der Hand hält, damit sich seine Königin ganz fallen lassen kann, übernahm er bald das Ruder und nahm meinen Kopf fest in die Hände. Sein Rythmus, seine Freude, mein Vergnügen…

Ich dachte, ich erfreu Euch mal mit einer kleinen daherphantasierten Geschichte. Hab ich schon so lange nicht mehr.

Schöne Gedanken wünsche ich Euch!

 

Stabat Mater dolorosa ist ein wundervolles Stück geistlicher Musik. Anhören! Laut.
🙂
Stabat Mater – Rossini

 

(Bildnachweis: photogolfer / Shutterstock.com)